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Standpunkt: Wuppertal 2025 – die Zukunft gestalten

Rund 1,4 Milliarden Euro Schulden, eine Arbeitslosenquote von ca. 9% (+/-) und die Innenstadt eine einzige Baustelle. Doch es gibt mehr als nur trübe Aussichten in Wuppertal – am 15. Mai 2017 entscheidet der Wuppertaler Stadtrat über die Fortführung des Seilbahnprojektes. Grund genug den Blick über den Tellerrad der Hochschulpolitik zu wagen und Stellung zu beziehen.

In den letzten 4 Jahren sind die Zahlen der Studienanfänger an der Bergischen Universität Wuppertal kontinuierlich gestiegen und die Infrastruktur der in der 70er Jahren errichteten Universität gerät mittlerweile genauso an Ihre Grenzen, wie die zahlreichen „E-Busse“ die sich in den frühen Morgenstunden, besonders zu Semesterbeginn voll beladen, den Grifflenberg hoch quälen. Die Bergische Universität hat sich von einer eher unbekannten und kleinen Universität zu einer festen Größe in der Region gemausert. Besonders beliebt sind die Lehramtsstudiengänge sowie die zahlreichen Möglichkeiten der Schumpeter School of Business and Economics (Wirtschaftswissenschaften), die auch überregional einen guten Ruf genießt. Doch mit dem Erfolg der Wuppertaler Universität treten zugleich auch die Probleme der größten Stadt im Bergischen Land offen ans Tageslicht. Die Infrastruktur Wuppertals kommt mit den gestiegenen Anforderungen einer modernen Großstadt nicht länger zurecht.

Der Hauptbahnhof in Wuppertal, der für die zahlreichen Pendler den Dreh- und Angelpunkt darstellt, lässt sich wohl nur als reine Katastrophe kategorisieren. Auch vor dem Start des B7-Umbaus hatte dieser mehr den Charme eines verlassenen Hinterlandbahnhofes. Die Umbauarbeiten laufen oft eher schleppend, die Abstimmung zwischen Deutscher Bahn und Stadt, um die Modernisierung mit dem Umbau des Döppersberges abzustimmen, sind mehr oder minder gescheitert. Doch was gibt es eigentlich für Alternativen um in und um Wuppertal von A nach B zu kommen? Natürlich das Auto! Macht aber eher wenig Sinn, wenn man darüber nachdenkt, dass die Infrastruktur in ganz NRW eher miserabel ist, NRW Staudland NR.1 ist und A46 und Stau eigentlich Synonyme sind. Ganz davon abgesehen, dass der Großteil der Studierenden wohl kaum regelmäßige Fahrten mit dem Auto finanzieren kann.

Was bleibt? Wer mutig ist und keine Anstrengungen scheut kann sich natürlich auf’s Rad schwingen. Mutig muss man aber besonders deswegen sein, weil es kaum ausgebaute Radwege abseits des Tals (sowie der ausgebauten Trassen: u.a. Nordbahn- & Sambatrasse) gibt und Radfahrer für die meisten Wuppertaler Autofahrer eher Außerirdische denn menschliche Lebewesen zu scheinen sein. Eine wirkliche Idee für die nötige Weiterentwicklung eines Radverkehrskonzeptes gibt es bisher nur Ansätzen, doch das Problem ist erkannt und man will reagieren. Das zuletzt 2003 aktualisierte Konzept soll den veränderten Anforderungen angepasst und fit für die Zukunft gemacht werden. Etwas schneller geht es beim Thema Radverkehr bereits an der Bergischen Universität voran. Das AStA Projekt RadUP hat einen Prototypen für einen studentischen E-Bike Verleih entwickelt. Per App können Studierende das Bike kostenlos buchen und so gemeinsam von einer angenehmen Form des Radfahrens in bergigen Regionen profitieren. Interessierte können per Mail an oekologie[at]asta.uni-wuppertal.de am Projekt mitwirken!

Seilbahn – innovative Idee oder der große Reinfall?

Kaum eine Idee für die Zukunft der Mobilität im Bergischen dürfte in der Vergangenheit mehr polarisiert haben als der Vorschlag eine Seilbahn vom Wuppertaler Hauptbahnhof, über die Universität und letztlich bis zum Schulzentrum Süd zu errichten. Die Lager sind tief gespalten und nun wird am 15. Mai der Stadtrat über die generelle Fortführung des Projektes entscheiden. Sowohl Pro- als Contra-Argumente der gesamten Diskussion haben ihre volle Daseinsberechtigung. Doch bei den zahlreichen Problemen der Wuppertaler Verkehrsinfrastruktur muss es das oberste Ziel sein ein zukunftsfähiges Konzept zu entwickeln, welches der Stadt als solcher, aber auch dem Anspruch einer modernen Universitätsstadt gerecht wird. Für Studierende der Bergischen Universität, besonders die zahlreichen Studierenden des Campus Grifflenberg, würde eine solche Möglichkeit eine ungemeine Erleichterung und Verbesserung der Qualität der täglichen Anreise bedeuten, denn der Großteil der Studierenden pendelt täglich zwischen Heimatort und Wuppertal. Sardinenbüchsen waren gestern – eine angenehme Fahrt direkt in Hörsaal das ist die Zukunft. Bei all den Annehmlichkeiten einer Seilbahn dürfen die damit einhergehenden Herausforderungen natürlich nicht außer Acht gelassen werden. Potenziell vom Seilbahnbau benachteiligte Anwohner müssen entsprechend entschädigt werden und auch die Verkehrskonzepte zu anderen Knotenpunkten innerhalb Wuppertals müssen weiterentwickelt werden.

Eine positive Entscheidung des Stadtrates wäre insgesamt sehr zu begrüßen, doch löst das Seilbahnprojekt nicht alle Probleme Wuppertals auf einen Schlag und birgt wohlmöglich eine noch nicht in Gänze erkannte Menge an Problemen…

Mehr Informationen zum Projekt der Wuppertaler Stadtwerke gibt es hier.

Fragen, Kritik? Gerne an:
Bastian Politycki
Mitglied des RCDS Wuppertal
Vorsitzender des AStA der BU Wuppertal
Mail: bastian.politycki[at]asta.uni-wuppertal.de

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